VON ANNIKA, LARA UND LENDITA
Um kurz vor elf Uhr trafen wir uns am Hamburger Flughafen (Terminal 2, Aeroflot-Schalter).
Wir alle waren seit mehreren Wochen sehr aufgeregt und fieberten dem heutigen Tage heftig entgegen. Nun war es soweit, wir sagten "Tschüss" zu Mami, Papi und Freunden. Wir waren mehr oder weniger bereit eine neue Welt zu besuchen und unsere vertraute Heimat zurückzulassen.
Nach dem Check-In saßen wir im Wartebereich und unser Flugzeug kam etwa 20 min zu spät. So aufgeregt wie wir waren, aßen wir erst einmal sämtlichen Proviant von zu Hause auf. Nun kam der Moment, in dem wir das Flugzeug sahen und wir uns alle auf den Weg machten. Wir suchten unsere Plätze und da saßen wir nun "Ready for take off". Wir waren ein Haufen von elf Schülern und zwei Lehrern. Es ging los, ein tolles Gefühl des Startens durchfuhr uns alle und wir wussten, jetzt geht es los, es gibt kein Zurück mehr. "China, wir kommen!" Den ersten Flug nach Moskau haben wir alle locker überstanden, doch dann kamen die vier Stunden Wartezeit dort.
Vorher mussten wir durch Schleusen; auf dem Programm stand: Schuhe ausziehen, Netbook rausholen, Zipper vorlegen, Tasche scannen, abtasten lassen und dann auf die anderen 12 Leute warten. Als wir dachten, wir hätten die Hürde überstanden, um uns endlich etwas Essen kaufen zu können, mussten wir erst einmal gefühlte fünf Kilometer durch den Flughafen laufen (wahrscheinlich war es "nur" ein Kilometer) und das mit ca. 6kg Handgepäck. Nachdem wir an unserem nächsten Gate angekommen waren, trennten sich die Wege der Gruppe. Aber schon nach kurzer Zeit traf man sich wieder und wir hatten wohl alle das Bedürfnis, frische Luft einzuatmen, nachdem wir acht Stunden Klimaanlagenluft mit Zigaretten-Schweiß-Parfum-Geruch eingeatmet hatten. Uns alle plagte zusätzlich dieses Hungergefühl, denn eine Pringles-Dose kostete umgerechnet 8 Euro, also hofften wir auf ein Flugzeugessen.
Pünktlich um 21:30 Uhr betraten wir endlich das Flugzeug nach Shanghai. Wir freuten uns, dass es doch noch etwas zu essen gab, aber leider war es eine Enttäuschung. Schließlich hielten wir uns mit Süßigkeiten über Wasser. Allmählich wurden wir müder, die Lichter wurden gedimmt, doch schlafen konnten nur einige. Der Rest verfolgte stattdessen den Flug auf dem Monitor und freute sich über jeden geschafften Kilometer. Langsam ging die Sonne auf und nach einer gefühlten Ewigkeit, letztendlich waren es knapp neun Stunden, landeten wir sicher in Shanghai.
Kaum aus dem Flugzeug ausgestiegen, erwartete uns eine lange Schlange vor den Schleusen, um die Einreise nach China bewilligt zu bekommen. Dann holten wir unser Gepäck und wurden kurz darauf von Frau Wu (Deutschlehrerin der Ganquan-Schule) und den Schülern Nadine und Linus in Empfang genommen. Als wir das Flughafengebäude verließen, schnupperten wir das erste Mal chinesische Luft, sie roch sehr gut im Gegensatz zur Klimaanlagenluft. Es war sehr warm, schwül und ziemlich laut, aber wir waren froh, endlich angekommen zu sein. Auf der anderthalbstündigen Busfahrt bekamen wir die ersten Eindrücke von Shanghai: Hohe Hochhäuser, dazwischen winzige Hütten, chaotischer Verkehr mit Dauergehupe und viele Motorroller. An der Schule angekommen, sahen wir eine digitale Tafel, die uns willkommen hieß. Nun waren wir wirklich da!
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